Die aktuelle Situation ist doch ganz einfach.
Ja, Pyrotechnik zu zünden ist verboten. Trotzdem geht die Tendenz dahin, dass im Moment so viel Pyrotechnik abgebrannt wird wie noch nie.
Warum es gerade jetzt zu der oft zitierten "Pyro-Offensive" kommt kann man hier (
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,787591,00.html) noch mal nachlesen, wobei der Bericht natürlich auch wieder nicht frei von Fehlern ist - so ist z.B. keine Bremer Ultragruppe am Projekt "Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren" beteiligt und Pyrotechnik als "Anfeuerungstechnik der Ultras" zu bezeichnen ist natürlich auch totaler Schwachsinn, da es in deutschen Stadien schon lange bevor sich die erste Ultragruppierung gegründet hat zu Pyroeinsatz gekommen ist.
Zu identifizieren sind die Zünder selten, da sie sich gut zu tarnen wissen (mit Sturmmasken, unter den großen Bannern der Gruppen usw.).
Verpfeifen wird sie (solange nicht fahrlässig gezündet wird, Böller zum Einsatz kommen o.ä.) niemand, da sie unter Gleichgesinnten stehen, die den Wert der sachgemäßen optischen Unterstützung durch Lichtfackeln zu schätzen wissen und gemeinsam für eine möglichst sichere Abbrennung der Bengalos und Rauchbomben kämpfen.
Diese Einstellung der Pyrobefürworter wird sich nicht ändern. Weder durch übertriebene Einsatzführung der Polizei (siehe unser Auswärtsspiel in Hoffenheim, oder Hannover letztes Wochenende gegen München), noch durch finanzielle Strafen für die jeweiligen Vereine.
Dazu kann man stehen wie man will - man kann es gutheißen oder als vereinsschädigend verurteilen. Spielt für mein Fazit aber keine Rolle, denn festzuhalten bleibt doch aus den Erfahrungen der letzten Monate/Jahre, dass diejenigen die Pyro zünden sich von beiden Repressionen nicht aufhalten lassen und dass nur in ganz seltenen Fällen Zünder identifiziert werden können.
Wenn man von Seiten der DFL und des DFBs mit der Situation wie sie jetzt ist nun aber nicht zufrieden ist, dann ist man eben zwangsläufig gefordert neue Strategien zu entwickeln.
Die Null-Toleranz-Politik hat doch offensichtlich versagt, wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre anschaut. Je schärfer die Repressionen wurden desto lauter wurde der Schrei nach freier Auslebung dieses Teils der Fankultur, desto mehr wurde in deutschen Stadien gezündet.
(Dieses Ergebnis wäre übrigens absehbar gewesen wenn man mal über die Landesgrenze hinaus nach beispielsweise Österreich oder Italien geschaut hätte...)
Immer wieder die schlimmen Vorfälle vom Spiel Bochum-Nürnberg im Februar 2010 (
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,680746,00.html) als mahnendes Beispiel anzubringen um jegliche Diskussion über eine (Teil-)Legalisierung im Keim zu ersticken ist genauer betrachtet auch eher ein perfektes Beispiel dafür, warum man die Diskussion um eine Legalisierung aufrecht erhalten sollte.
Im Gästeblock wurde damals loses Magnesiumpulver abgebrannt welches tatsächlich (hier stimmt der sonst meist zu Unrecht genutzte Begriff) völlig unkontrollierbar ist, und welches absolut nichts in einem unserer Stadien verloren hat.
Nach diesem schlimmen Zwischenfall muss man sich doch die Frage stellen "Warum Magnesiumpulver?! Warum dieses unkontrollierbare Teufelszeug?" - Ganz einfach: Weil es sich ohne Probleme an den Ordnern vorbei ins Stadion bringen lässt.
Ich glaube nicht, dass jemand auf die Idee gekommen wäre dieses Pulver in den Block zu schmuggeln wenn die für die Zünder eigentlich favorisierten (weitaus ungefährlicheren - ich behaupte sogar bei richtigem Einsatz nahezu ungefährlichen) Bengalos erlaubt wären.
Daher ist es nicht weit hergeholt zu sagen: Eine (Teil-)Legalisierung von Pyrotechnik hätte den Vorfall in Bochum verhindert.
Dass es nie der Fall sein wird, dass von jedem, egal in welchem Block, egal in welchem Bereich alles mögliche an Pyrotechnik legal gezündet werden darf ist auch den Mitgliedern der Kampagne PyrotechnikLegalisieren klar. Das war und ist auch nie das Ziel gewesen.
Aber es muss auch klar sein, dass sich niemand mit den gebrochenen Versprechen von Herrn Spahn und Schneider und dem Abbruch aller Kommunikation zwischen Pyrobefürwortern und DFB/DFL zufrieden geben wird. Folglich wird wohl in Zukunft weiter vermehrt Pyro eingesetzt.
Daher komme ich wieder auf meine Forderung zurück:
DFB/DFL jetzt seit ihr dran. Ihr entscheidet über den weiteren Verlauf.
Aber bleibt man bei der sturen Linie - "verboten also lasst es bleiben" - dann wird es meiner Meinung nach weiter brennen in Deutschlands Stadien und es bleibt leider wahrscheinlich auch wieder nur eine Frage der Zeit bis ein Unglück passiert.
Eine Teillegalisierung, die vorerst vielleicht auch nur einzelne kleine Pyroaktionen in bestimmten Blöcken zugestehen würde, wie es der Kampagne eigentlich auch versprochen wurde (und wie es auch in Deutschland schon erfolgreich durchgeführt wurde - z.B. in Magdeburg) wäre ein Schritt in die richtige Richtung welche vielleicht irgendwann in einem geregelten, sicheren Abbrennen von Pyrotechnik enden könnte, mit Sandeimer zum Löschen, ausgewiesenen Pyrozonen und ähnlichem.
Und bevor falsche Annahmen gemacht werden: Ich bin weder Teil der Kampagne, noch Teil der Ultraszene noch zünde ich selbst. Und ja, trotzdem bin ich Befürworter von Pyrotechnik, solange alles in gemäßigten Rahmen abläuft.