Natürlich gibt es sportliche Notwendigkeiten, es gibt aber auch finanzielle Notwendigkeiten. Und wenn kein Geld da ist, kann man auch kein Geld locker machen, es sei denn, man macht Schulden. Die Genehmigung eines Haushaltsplans ist neben der Besetzung der Geschäftsführung die Hauptaufgabe des Aufsichtsrats. .
Es stellt sich halt nur die Frage wo das Geld geblieben ist. Die öffentlich bilanzierten Rücklagen + Gewinne der folgenden Saison + Verkaufserlös Özil und Abschlußzahlung Diego ergeben eine stolze Summe. Wenn hier kein Geld mehr vorhanden ist, muß dringend offen gelegt werden, wo es geblieben ist. Gibt es hierfür eine plausible Erklärung, werden sich die Gemüter auch schnell wieder beruhigen. Sollten eklatante Fehler begangen worden sein, müssen hat Verantwortliche ihren Hut nehmen.
Diese Saison fehlen ca. 25 Mio. Euro an CL-Einnahmen und anders als in den Vorjahren gibt es diesmal auch keine nennenswerten Transfererlöse. Das ist so, als ob einem Unternehmen zwei "Hauptauftraggeber" wegbrechen würden. Normalerweise muss ein solches Unternehmen Personal abbauen und einen radikalen Sparkurs fahren. Werder hat den Kader aber weitestgehend zusammengehalten und sich noch mit Ekici, Wolf und Schmitz verstärkt. Die meisten Spielerverträge, die zu CL-Zeiten abgeschlossen wurden, laufen aber weiter. Der Verein ist also schon finanziell ins Risiko gegangen. Die Frage lautet nicht, ob Werder ins Risiko gehen soll, sondern wie viel Risiko vertretbar ist..
1. Fehlen nicht 25 Mio aus der CL, sondern ca. 15 Mio. Von diesen sind aber auch noch die Prämien der Spieler abzuziehen, sodass hier ein "Loch" von nicht mehr als 10 Mio entsteht.
2. Können die laufenden Kosten ohne diese Einnahmen gedeckt werden, nur im nächsten Jahr steht das Geld für Investitionen nicht zur Verfügung.
3. Spielerverkäufe dienten bisher nicht zum decken des Etats. Hiermit werden neue Spieler verpflichtet, Rücklagen gebildet und Investitionen getätigt.
4. Wurde der Etat durch die bekannten Abgänge gesenkt.
Eigentlich kann Werder diese Saison noch nicht in`s "Risko" gehen, da wie gesagt die Kosten gedeckt sind.
Gefährlich wird es erst für die nächste Saison, sofern in dieser Saison der Erfolg ausbleibt und im nächsten Sommer kein Spieler teuer verkauft werden kann.
Bei anhaltenen Misserfolg werden die Verträge von Wiese, Fritz und Merte etc. nicht verlängert um die Mannschaft finanzierbar zu halten. Dies wird wiederum sportlich die Leistungsfähigkeit verschlechtern, da kein gleichwertiger Ersatz gekauft werden kann.
Ich würde die Verpflichtungen von Sokratis und Ignjovski aus sportlicher Sicht auch absolut befürworten und halte sie auch für "kreativ". Aber weil man sich in letzter Zeit einige Reinfälle wie Carlos Alberto leistete, sind die Möglichkeiten auf dem Transfermarkt ohne Verkäufe nun mal eingeschränkt. Und da nicht nur Werder, sondern die halbe Bundesliga und zahlreiche Klubs aus dem Ausland sparen müssen, ist es zurzeit auch alles andere als einfach, Spieler zu verkaufen. Das ist keine schöne Situation, aber Werder hat nun mal keine Gelddruckmaschine wie Leverkusen (wurde in den letzten beiden Jahren von der Bayer AG mit über 100 Mio. Euro unterstützt) oder Wolfsburg. Und auch andere Vereine wie z.B. der HSV können auf dem Transfermarkt derzeit nicht das umsetzen, was sportlich notwendig wäre.
Die Verpflichtungen von Sokratis (Leihe) und Ingjovski (ca. 1 Mio) sind allein aufgrund der geringen Kosten nicht mit den "Reinfällen" zu vergleichen.
Aus rein sportlicher Sicht kann ich diese beiden nicht einmal begrüßen, da schwer einzuschätzen ist, ob diese Werder weiterhelfen werden. Jedoch muß hier KATS vertraut werden und aufgrund dessen sind die beiden Spieler für die jetzige Situation fast ideal.
Es werden mit 2 Spielern Optionen für die Positionen RAV, LAV,IV und DM geschaffen. Dazu die Möglichkeit einen "talentierten" Spieler relativ kostengünstig für ein Jahr unter Wettkampfbedingungen zu testen.
Geld hin oder her, der Kader ist auf diesen Positionen nicht bundesligareif besetzt und deshalb muss etwas unternommen werden.