Es gibt Situationen, da fragt man sich als geneigter Fußballfan: ist man wirklich Fan? Was macht DEN Fan eigentlich aus? Wann ist man Fan, wann nicht? Ist man vielleicht viel mehr Kunde, als Fan? Oder gar ein Erfolgsfan?
Fangen wir doch mal beim Anfang an
1. ich trage einen Schal meines Verein, das Logo prangt auf meinem Uniordner und meine Tasche ist nicht aus Zufall grün! Gut, das macht mich nicht zum Fan - aber damit zeige ich wohl schon mal meine Sympathien zum Verein.
2. wenn meine Mannschaft spielt, bin ich 90 Minuten (und unter Umständen darüber hinaus) nicht ansprechbar. Ich verwandel mich in ein emotionales Etwas, schimpfe, fluche, jubel, freue mich
neuerdings meist alles auf einmal! Klingt doch auch ziemlich fan-ig, oder?
3. Ich verfolge jeden Tag die aktuellen Entwicklungen, tausche mich mit anderen Fans aus, bin sogar Vereinsmitglied - nehme also auch am alltäglichen Fußballeben teil
macht ja nun auch nicht jeder!
4. Mein Wochenende (oder halt mein Tag) ist gerettet, wenn wir gewinnen, schön gespielt haben und sonst auch alles gut lief. Dementsprechend bin ich ein echter Muffelkopf und nahezu unerträglich, wenns Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

lief (NEIN, an dieser Stelle gibts keine Beispiele - die verdränge ich lieber!) und würde mich dann am liebsten immer im Bett verkriechen! Der neutrale Fußballgucker an sich würde da ja wohl nicht so weit gehen, oder?
5. Wenn ich von meinem Verein rede, rede ich von wir
wir habens versemmelt, wir haben gewonnen, wir standen hinten schlecht, wir
was auch immer. Ich identifiziere mich mit meinem Verein, ich stehe hinter den Jungs, egal, wie die derzeitige Situation gerade ist - Fan, oder?
So, ich finde, das sind fünf ganz schlagkräftige Argumente dafür, warum ich mich als Fan bezeichne. So, warum nun die Frage nach Fan oder Nicht-Fan?
1. ich bin nicht seit meiner Geburt Fan meines Vereins. Genau genommen erst seit etwa zwei Jahren! BÄM - kein richtiger Fan?
2. ich gehe nicht jede Woche ins Stadion. Genau genommen habe ich meinen Verein erst zwei Mal live kicken sehen! BÄM - durchgefallen?
3. ich schaue an so fast jedem Spieltag der BuLi die Konferenz, weil ich mich auch für alle anderen (zumindest die meisten) Spiele interessiere. BÄM - kein Rückhalt für die eigene Mannschaft?
4. es gibt keinen speziellen Verein, den ich nicht leiden kann, der in direktem Zusammenhang mit meinem Verein steht. Anders gesagt: der HSV ist mir egal, Bayern genauso. Und - OH JE - ich halte zu jeder deutschen Mannschaft, wenn sie international spielt, weil die Punkte wichtig sind! BÄM - unten durch?
5. ich verabscheue keinen einzigen Spieler, weil er nicht mehr bei meinem Verein spielt. Ja, ich habe eine durchaus nicht gute Meinung über gewisse Stürmer, aber das ist etwas, was ich oberflächlich gesehen beurteile und nie soweit gehen würde, von Hass zu sprechen (wie auch, ich kenne keinen der Spieler persönlich!) und - OH MEIN GOTT - ich kann sogar für ihn klatschen, wenn er in der Nationalmannschaft trifft. BÄM - Ketzer?
6. ich würde nie im Stadion meine eigene Mannschaft auspfeifen! Ja, ich glaube auch, dass man als Fan Kritik üben muss und es ist wahrlich nicht immer alles gut, was die Mannschaft macht - aber auspfeifen kommt für mich genauso wenig in Frage, wie das Stadion vorzeitig verlassen, Spieler beleidigen, oder mich gar über eine Niederlage freuen! BÄM - falsch?
Dass ich die sechs Fragen alle mit nein beantworten würde dürfte klar sein - aber manchmal fragt man sich eben doch: Bin ich nun Fan? Oder bin ich nur Kunde, jemand, den andere nie als Fan akzeptieren würden? Muss ich überhaupt von anderen als Fan akzeptiert werden? Kann ich nicht einfach so Fan sein, wie ich es für richtig halte?
Fragen über Fragen - und am Ende steht, für mich, die Antwort: Fan oder Nicht-Fan, das ist hier NICHT die Frage!